Stellungnahme zum Regionalplan Nordthüringen

Die Südharzer Gipskarstlandschaft wurde am Ende der letzten Eiszeit des Pleistozäns vor ca. 10.000 Jahren geprägt. Sie stellt einen einzigartigen Naturschatz dar, der das Leben der Menschen in der Region seit Generationen prägt. Die Landschaft beherbergt eine einzigartige Vielfalt von teils gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. In Art. 31 Abs. 2 der Thüringer Landesverfassung heisst es “Der Naturhaushalt und seine Funktionstüchtigkeit
sind zu schützen. Die heimischen Tier- und Pflanzenarten sowie besonders wertvolle Landschaften und Flächen sind zu erhalten und unter Schutz zu stellen. Das Land und seine Gebietskörperschaften wirken darauf hin, dass von Menschen verursachte Umweltschäden im Rahmen des Möglichen beseitigt oder ausgeglichen werden.”

Der vorliegende Entwurf des Regionalplanes wird diesem Anspruch nicht gerecht.

Der Südharz trägt bereits jetzt überproportional zur bundesweiten Gipsproduktion bei. Der zu Grunde gelegte Bedarf berücksichtigt weder eine technologische Weiterentwicklung, Alternativtechnologien noch eine mittel- bis langfristige Ausstiegsperspektive.

Ebenso wird unzureichend zwischen den Bedarfen geringer und hoher Qualität differenziert.

Die Ausweitung von Vorranggebieten für Gips geringer Qualität gegenüber dem letzten Regionalplan erschließt sich nicht.
Obwohl gemäß des “Reyer-Gutachtens” der Bedarf an Gips geringer Qualität mit den bereits ausgewiesenen Flächen zu decken ist, sollen weitere Flächen ausgewiesen werden. Dies lehnen wir ab.

Gleiches gilt für den Bedarf an Gips hoher Qualität, der beispielsweise für medizinische Zwecke benötigt wird. Hier lässt sich aus dem “Reyer-Gutachten” ein zusätzlicher Flächenbedarf von 25 ha ableiten, gleichwohl sollen 87 ha an in Frage kommender Fläche zusätzlich ausgewiesen werden. Dies lehnen wir ebenso ab.

Für bereits ausgewiesene Flächen ist die Renaturalisierung als verbindliches Ziel im Regionalplan festzulegen, und die zeitnahe Umsetzung nach Abbauende vorzugeben.

In der Region läuft gerade ein Such- und Moderationsprozess zur Ausweisung eines Biosphärenreservates. In diesem Prozess sollen langfristige Strategien für Leben und Wirtschaft in der Region, mit der Landschaft entwickelt werden. Die Ausweisung von Gebieten zur vorsorgenden Rohstoffsicherung greift diesem Prozess vor. Sie greift außerdem in die Gestaltungsfreiheit folgender Generationen ein, ohne dabei technologische Entwicklungen und Alternativen zu berücksichtigen. Die Ausweisung ist daher abzulehnen.

Insbesondere im “Karstgürtel” um Nordhausen sind unbeplante Flächen zu vermeiden. Die Flächen sind mit einer Planung zu belegen, um einen unkoordinierte Nutzung zum Beispiel zum Rohstoffabbau zu vermeiden.


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